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Pflanzenschutzmittel (PSM)

Im integrierten Pflanzenschutz zur Sicherung von Erträgen stehen biologische, biotechnische, züchterische sowie anbautechnische Maßnahmen im Vordergrund. Ziel ist es den Einsatz von chemischen Wirkstoffen soweit wie möglich zu beschränken. Gleichwohl, wenn in landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturen Schadorganismen bestimmte Schadschwellen überschreiten, ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Insektiziden / Akariziden, Fungiziden und Herbiziden im Rahmen von Pflanzenschutzmaßnahmen oftmals unverzichtbar.

Chemische Pflanzenschutzmittelwirkstoffe lassen sich je nach Ziel-Schadorganismus in folgende Kategorien einteilen: Herbizide wirken gegen Pflanzen, Fungizide wirken gegen Pilze, Insektizide wirken gegen Insekten, Akarizide wirken gegen Milben, letztere beiden werden wegen ihrer z.T. übergreifenden Wirkung auch in einer Gruppe zusammengefasst.

Das Pflanzenschutzgesetz regelt den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln von der Begriffs- und Zweckbestimmung über Zulassungsverfahren, Verkehr, Anwendung, Entschädigungsregelungen und Überwachung bis zu den Vorschriften zum Schutz von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen. Basierend auf dem Pflanzenschutzgesetz wurden weitere Verordnungen erlassen. Honigbienen werden durch die Verordnung über die Anwendung bienengefährlicher Pflanzenschutzmittel (Bienenschutzverordnung) geschützt.

Pflanzenschutzmittel werden immer nur für eine begrenzte Zeit zugelassen, danach muss eine neue Beantragung und Bewertung erfolgen.

Bevor ein Pflanzenschutzmittel zugelassen wird, muss ein umfangreiches Dossier bezüglich zahlreicher Fragestellungen wie z.B. Wirksamkeit gegenüber Zielorganismus, Verträglichkeit bei Nutzorganismus, Anwenderschutz, Rückstandsverhalten, ökologische Verträglichkeit, Nützlingsschutz und Bienenschutz erstellt werden.

Die Liste der aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inkl. Auflagen sowie für welche Kulturen können online beim BVL eingesehen werden.

Die Bienenschutzverordnung regelt den Schutz der Honigbienen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die Gefährdung der Bienen durch Pflanzenschutzmittel hängt vom Wirkstoff, dessen Dosierung und Formulierung ab. Mit der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln erteilt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) u.a. auch Auflagen bzgl. des Bienenschutzes. Der Beurteilung bienengefährlich oder nicht bienengefährlich liegen entsprechende Prüfstudien von Labor-, Tunnel-, Freilandversuchen zur Auswirkung der Wirkstoffe und Produkte auf erwachsene Bienen, Bienenbrut sowie ggf. inkl. Untersuchungen auf subletale Effekte zu Grunde.

 

Einstufung von Pflanzenschutzmitteln in 4 Kategorien

B1bienengefährlich
B2bienengefährlich, außer bei der Anwendung nach dem Ende des täglichen Bienenfluges in dem zu behandelnden Bestand bis 23.00 Uhr
B3aufgrund der durch die Zulassung festgelegten Anwendung des Mittels werden Bienen nicht gefährdet
B4nicht bienengefährlich

Gemäß der Bienenschutzverordnung bestehen für „bienengefährliche“ Pflanzenschutzmittel erhebliche Auflagen bei der Anwendung. Die Auflagen gelten für jeden Anwender unabhängig von Eigentumsverhältnissen oder Betriebsgrößen (Landwirt, Auftragsunternehmer, Gärtner oder Kleingärtner). So dürfen keine blühenden oder von Bienen beflogenen Kulturen mit bienengefährlichen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Dies gilt auch für alle anderen Pflanzen, die sich in bzw. am Rande der zu behandelnden Kultur befinden. Ebenso dürfen bienengefährliche Pflanzenschutzmittel nicht im Umkreis von Bienenvölkern (60 m Abstand) ausgebracht werden. Bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln ist vom Anwender auch die Drift des Spritznebels aufgrund von Wind zu berücksichtigen. Ferner dürfen Bienen nicht mit Pflanzenschutzmitteln bei deren Handhabung, Aufbewahrung und Beseitigung in Berührung kommen.

Nicht bienengefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen in die Blüte gespritzt werden. Neben diesen 2 Kategorien gibt es eine 3. Kategorie von Pflanzenschutzmitteln, die grundsätzlich als bienengefährlich gelten, allerdings nicht bei der Anwendung nach dem täglichen Bienenflug bis 23.00 Uhr. Eine 4. Kategorie betrifft Pflanzenschutzmittel bei deren Anwendung Honigbienen nicht mit dem Präparat konfrontiert werden.

Nicht bienengefährliche Pflanzenschutzmittel (B4) dürfen in die Blüte gespritzt werden. Gleichwohl sind auch hier negative Beeinträchtigungen einiger Flugbienen nicht ganz ausgeschlossen. Weiterhin besteht seit vielen Jahren das Problem, dass im Gegensatz zu fast allen anderen Honigen, die völlig frei von Pflanzenschutzmittelrückständen sind, dies für den Rapshonig nicht zutreffend ist.

Beide Problembereiche bei der Anwendung von nicht bienengefährlichen Pflanzenschutzmitteln (B4) in die Blüte, 1. die mögliche Schädigung einzelner Flugbienen sowie 2. das Rückstandsproblem, könnten deutlich minimiert werden, wenn die Pflanzenschutzmittelspritzungen nicht in der Hauptflugzeit der Bienen durchgeführt würden.

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